Exhibit 12: Het Von Schlieffenplan (5)

Im allgemeinen ist aber das Vertrauen auf einen überragenden rechten Flügel zu setzen, der allmählich die ganze Linie vorwärts bringen wird. Ist diese bis in die ungefähre Höhe von Abbéville, St. Quentin, Rethel-Verdun gekommen, so werden die Franzosen die Stellung Verdun-Toul, Toul-Epinal pp. allmählich räumen. Der allgemeine Rückzug wird die Richtung zunächst auf die Stellung Reims-La Fère, dann auf Paris nehmen. Die erste bis dritte deutsche Armee, denen sich die freigewordenen Korps anschließen und starke Kavallerie auf die Flügel nehmen, folgen mit weit überragender Linie in der Absicht, einen möglichst großen Teil der feindlichen Armee vollständig einzuschließen.

Zur Besetzung des eroberten Landes und zur Deckung der rückwärtigen Verbindungen werden die Landwehr und Ersatztruppenteile nicht ausreichen. Der Landsturm muß mobilisiert werden.

Erläuterungen zu vorstehender Denkschrift.

Seine Excellenz der Herr Feldmarschall Graf Schlieffen hat vorstehende Denkschrift als Ergänzung seiner bei seinem Abgang im Januar 1906 verfaßten Denkschrift gedacht. Seit dieser Zeit beschäftigte die angeregte Operation den Herrn Feldmarschall ununterbrochen. Seine kriegswissenschaftlichen Studien auf operativem Gebiet und unausgesetztes Verfolgen der europäischen Politik, soweit dies aus der presse möglich war, bestärkten den Herrn Feldmarschall in seiner vorstehend zum Ausdruck gebrachten Ansicht:

1. Nach Abschluß des letzten Aufsatzes über Cannae im Oktober 1912 hat der Herr Feldmarschall den Inhalt der Seiten 1-31 der Denkschrift wiederholt im Entwurfe durchgearbeitet. Die endgültig vorliegende Fassung hat mir der Herr Feldmarschall am 26. und 27. Dezember 1912 diktiert, nachdem er mir wiederholt, zuletzt am 24. und 25. Dezember seine Pläne und Ansichten mündlich auseinandergesetzt hatte.

2. Auch mit Seiner Excellenz dem General der Kavallerie von Hausmann hat der Herr Feldmarschall in zweimaligen mehrstündigen Gesprächen an der Hand der karte die angeregten Fragen erörtert, zuletzt am 28. Dezember 1912. Außer dem General von Hausmann und mir hat nur der Oberstleutnant und Flügeladjutant von Dommes noch Kenntnis von den hier niedergelegten Ansichten.

3. Nach dem letzten Gespräche mit General von Hausmann hat der Herr Feldmarschall noch an demselben Abend, dem 28. Dezember, die Seiten 31 unten von ‘Beim weiteren Vorgehen….’ an bis zum Schluß zu Papier gebracht. Es war die letzte Niederschrift in seinem Leben. Am folgenden Morgen, dem 29. Dezember, erkrankte der Herr Feldmarschall.

4. Statt die ‘Waag’ meint der Herr Feldmarschall scheinbar den ‘Waal’. Da wo auf den letzten Seiten ‘Korps’ von Herrn Feldmarschall geschrieben ist, hatte der Herr Feldmarschall je 2 Divisionen in der von ihm vorgeschlagenen Zusammensetzung im Auge.

5. Weiter äußerte der Herr Feldmarschall: die Abschließungs- und Dekkungstruppen müssen durch Nachschub verstärkt und möglichst für die vordere Linie freigemacht werden. Diese Abschließungs- und Dekkungstruppen verschlingen Hunderttausende. Durch die Fortschritte der Technik, der Zerstörungsmittel wird die feindliche Bevölkerung uns ungeahnte Schwierigkeiten bereiten, deshalb muß das eroberte Land von unseren Truppen völlig überflutet werden. Welle auf Welle muß sich bei der Invasion folgen. Der vorderen Linie die Reserven, dann die Ersatztruppen, die Ersatzreserve, schließlich im Notfall der mobilisierte Landsturm, so daß wirklich das ganze deutsche waffenfähige Volk in Waffen gegen Frankreich geführt wird.

Über Marschlängen und Frontbreiten äußerte der Herr Feldmarschall wiederholt: das moderne Korps mit seinen 29 km Marschlänge der fechtenden Truppen kann an einem tage nicht voll zum Angriff kommen. Die hinteren Abteilungen müssen abgewartet werden. Dies Abwarten läßt die Angriffswut erlahmen. Die Marschlänge muß verkürzt werden. Vgl. Vierteljahrshefte 1913, 1. Heft, Seite 4, Zeile 14-19 von oben. In einem zivilisierten Lande wie Frankreich und Belgien finden sich überall etwa in einem Zwischenraum von einer Meile durchgehende Straßenzüge.   

Die Feuerkraft des modernen AKs mit den zahlreichen Maschinengewehren und der schweren Artillerie ist so gewaltig, daß die noch jetzt herrschenden Vorschriften über

Die  Feuerkraft des modernen Aks mit den zahlreichen Maschinengewehren und der schcweren Artillerie ist  so gewaltich  dasz die noch jetzt herschenden Vorschriften über Gefechtsausdehnung der Infanterie einer Änderung bedürfen; es wird sonst hinter der Feuerlinie, wie es 1870/71 noch der Fall war, unnötigerweise Masse gebildet. Bei der heutigen durch Maschinengewehre und schwere Artillerie verstärkten Gefechtskraft können 20 Bataillone 90 Feldgeschütze unbeschadet den Raum der bisherigen 24 Bataillone 144 Feldgeschütze voll ausfüllen, auch bei gehöriger Tiefengliederung.

Der Herr Feldmarschall äußerte wiederholt, daß wenn in seiner Amtstätigkeit bei Operationsstudien und Kriegsspiel Reservedivisionen, zuletzt auch Reservekorps und Ersatztruppen fast vollwertig verwendet wurden, dies ein Notbehelf war, weil weitere vollwertige AKs nicht bewilligt wurden. Der Herr Feldmarschall wollte durch den Einsatz der an Artillerie so ungünstig ausgestatteten Reservekorps seine Mitarbeiter darauf führen, außerordentliche Anstrengungen zu machen, wenn Außerordentliches geleistet werden soll, und er wollte sie dazu bringen, Mittel und Wege zu schaffen, damit in absehbarer zeit die Reservetruppen wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zugeführt werden: nicht in 1. Linie neben den aktiven, sondern hinter ihnen, in 2. Linie als Unterstützung zu folgen. Nach Ansicht des Herrn Feldmarschalls vereinfacht sein Vorschlag, die Division oder das Korps, je nachdem wie man es nennen mag, zu 12 aktiven 8 Reservebataillonen, die Mobilmachung. Dem Herrn Feldmarschall schwebte vor, daß im allgemeinen jeder seiner Divisionen die Ersatztruppen, die Landwehr, die gut ausgebildete und in Formationen gebrachte Ersatzreserve, der Landsturm ein und desselben Territorialbezirks folgen sollten, weil nach seiner Ansicht das ganze feindliche Land hinter den fechtenden Truppen in Aufruhr und Kriegszustand bleiben wird.

Verschiedentlich sprach der Herr Feldmarschall davon, daß für den unausbleiblich kommenden Volkskrieg neben der vollen Ausnutzung der allgemeinen Wehrpflicht und Ausbildung der Ersatzreserve auch die Dienstpflicht wieder verlängert werden müßte, wie das 1870/71 noch der Fall war.

Die vom Herrn Feldmarschall beabsichtigte Verwendung der 51 Divisionen habe ich in Anlage 1 zusammengestellt.

Die blauen Marschstraßen auf der anliegenden Wegekarte hat der Herr Feldmarschall persönlich Anfang Dezember 1912 eingezeichnet. Bei der nördlichen Gruppe hat der Herr Feldmarschall sie bei dem guten Wegenetz zum teil in Brigadekolonnen zerlegt. Die Einzeichnungen auf der Festungskarte West 1:100.000 habe ich nach den Angaben des Herrn Feldmarschalls erst nach seinem Tode entworfen. Der Herr Feldmarschall hatte beabsichtigt, eine solche Übersichtskarte seiner fertiggestellten Denkschrift beizufügen.

Wilhelm von Hahnke, Major und Bataillonskommandeur im Ersten Garderegiment zu Fuß.

 

Übersicht über die Verwendung von 51 Divisionen.

2    Divisionen gegen Holland

2    Divisionen gegen Antwerpen

1    Division gegen Lüttich-Namur, linkes Maasufer

2    Divisionen gegen Dünkirchen-Gravelines, Calais, Boulogne und zur Beobachtung

      der Küste

2    Divisionen gegen Lille und Maubeuge

12  Divisionen als ERSTE Armee zur Offensive auf dem linken Maas- und Sambre-

      Ufer, Richtung Abbéville-St. Quentin

8    Divisionen als ZWEITE Armee südlich der Maas, hiervon

1    Division gegen Lüttich-Namur

1    Division gegen Maubeuge

10  Divisionen als DRITTE Armee gegen Mézières-Verdun

12  Divisionen als VIERTE Armee gegen Verdun-Belfort

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